Sonntag, 20. Mai, 2012
   
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„Ratssaal wird oft mit einer Waschkaue verwechselt“

- Stimberg Zeitung 18.10.2002 (Jörg Müller) -


UNABHÄNGIGE WÄHLERGEMEINSCHAFT:
Positive Zwischenbilanz nach dreijähriger Ratstätigkeit / 31 Sachanträge gestellt


Drei Jahre ist die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) nun mit vier Mitgliedern im Stadtrat vertreten. Grund genug für die SZ-Redaktion, die UWG-Fraktion zu einem „Halbzeitgespräch“ zu bitten.

„Die politische Arbeit im Rat der Stadt Oer-Erkenschwick stellt sich für uns schon deutlich anders dar, als wir uns das 1999 vorgestellt hatten“, meinten gestern Fraktionsvorsitzender Helmut Lenk und sein Stellvertreter Rainer Lewe. „Wir haben mehr Sachlichkeit in den Diskussionen erwartet. Und zwar unabhängig von den politischen Unterschieden der einzelnen Fraktionen.“

So wird nach Ansicht der UWG-Fraktion die berufliche Tätigkeit gerade ihrer Mitglieder stets vom politischen Gegner „bewertet“. „Wir handeln dagegen anders. Aus unserer Sicht haben wir stets die Trennlinie zwischen den beruflichen und privaten Dingen der Ratsmitglieder und deren politischer Tätigkeit gewahrt.“

Helmut Lenk: „Einige Mandatsträger verwechseln dabei den Sitzungssaal oft mit einer Waschkaue. Ich kenne den etwas raueren Ton dort durchaus, schließlich habe ich während meiner Semesterferien als Student auf dem Pütt gearbeitet.“

So würden UWG-Amtsinhaber weiterhin von einigen Genossen beschimpft und beleidigt. „Der hat wohl einen an der Klatsche!“, hätte es in Richtung Rainer Lewe geheißen. Der Kämmerer hätte sich im Rechnungsprüfungsausschuss gegenüber dem UWG-Chef nach einer Frage zur Stimberg- und Stadthallen GmbH mit den Worten geäußert: „Das geht sie einen Scheißdreck an!“.

Die UWG hat sich im Sommer daraufhin mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an den Bürgermeister gewandt. Der habe das Verhalten seines Kämmerers ausdrücklich missbilligt.

„Wir fragen uns auch, wer eigentlich die Rolle der Opposition im Rat übernimmt“, meinte Helmut Lenk. SPD und CDU würden als gemeinsame Regierungspartei agieren und stets unisono die bisherigen 31 UWG-Sachanträge ablehnen. Lenk: „Wir beschäftigen uns mehr mit den Inhalten und haben auch Anträge anderer Fraktionen häufig mitgetragen.“



NACHGEFRAGT


„Bisherige Sparbeschlüsse sind doch Peanuts“

Auch zur Haushaltssituation befragte SZ-Redakteur Jörg Müller die UWG-Politiker Helmut Lenk und Rainer Lewe

Frage: Die UWG wird oft als „Nein-Sager-Partei“ bezeichnet. Sie entwickle keine eigenen Ideen, kritisiere aber die Arbeit anderer. Das gelte auch für die Verkehrs­planung am neuen Spaß- und Erlebnisbad. Wie ist denn da die genaue Position der UWG?

H. Lenk: Nach unserer Auffassung ist es nicht Aufgabe einer Fraktion, Verkehrs­konzepte zu entwerfen. Das ist Sache der Verwaltungsfachleute im Rathaus. Konkret auf diesen Fall bezogen, haben wir zudem die Schwierigkeit, dass wir zwar Infor­mationen haben, die aber aus dem nichtöffentlichen Teil einer Arbeitskreissitzung stammen. Deshalb ist uns jetzt eine detaillierte Äußerung nicht möglich.

Frage: Immer wieder wird über eine Vermarktung des Kirmesplatzes als Neue Mitte II oder ein weiteres Einkaufszentrum in Rapen diskutiert. Welche Meinung hat die UWG dazu?

H. Lenk: Das ist ein ganz heikles Thema. Die jetzige Neue Mitte läuft wohl ganz gut. Aber uns liegt natürlich kein konkretes Zahlenmaterial vor, um die wirtschaft­liche Situation zu bewerten. Mir stellt sich hierbei ganz spontan die Frage, ob denn die Kaufkraft in Oer-Erkenschwicker ausreicht, um auch eine Neue Mitte II oder gar ein weiteres Zentrum in Rapen dauerhaft am Leben zu erhalten. Und wenn hier überregional bedeutsame Einkaufszentren geschaffen werden sollen, dann stellen sich natürlich noch zahlreiche weitere Fragen, die geklärt werden müssen. Wir vermissen beispielsweise eine konkrete Standortanalyse. Die müsste eigentlich am Anfang solcher Überlegungen stehen.

Frage: Stichwort Haushalt. Welche Vorschläge hat die UWG, damit auch zukünftig sichergestellt wird, dass Vereine und Verbände in Sachen freiwilliger Leistungen der Stadt nicht im Regen stehen?

R. Lewe: Genau zu diesem Thema geht die UWG-Fraktion ab Montag kommender Woche in Klausur. Denn: Die bisherigen Sparbeschlüsse sind doch Peanuts. So kriegt man das Problem nicht in den Griff.

Frage: Was muss denn besser gemacht werden?

R. Lewe: Wir haben schon immer vorgeschlagen, die Kosten für Großprojekte bei einer bestimmten Obergrenze zu deckeln. Zum Beispiel beim Spaßbad auf 15 Mio. Euro und nicht auf jetzt 18 Mio. Bei der letztgenannten Obergrenze soll es nun zwar bleiben, aber man muss auch sagen, dass die sich im Bau befindliche Bad­version schon eine abgespeckte ist. Und das komplette Tafelsilber zu veräußern, wie von Herrn Rusche vorgeschlagen, ist auf Dauer nicht sinnvoll, weil nur begrenzt möglich. Wir sollten uns externen Sachverstand einholen und diese Vorschläge abwarten.

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